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Mikroplastik im Alltag – und der Mythos von der Kreditkarte pro Woche

Mikroplastik am Strand

„Essen wir wirklich jede Woche eine Kreditkarte an Plastik?“

Diese Behauptung, bezogen auf das Gewicht einer Plastik-Kreditkarte von etwa 5 Gramm,  hat in den letzten Jahren immer wieder die Runde gemacht. Sie klingt alarmierend und schockierend – gerade deshalb blieb sie leicht im Gedächtnis und wird gerne weitergegeben. So titelte die WELT 2019: “Jeder von uns isst eine Kreditkarte pro Woche” (Quelle).

Artikel in der WELT zu Mikroplastik, 2019, Screenshot
Online-Artikel in der WELT, Screenshot

Der Ursprung der Aussage liegt im Jahr 2019. Damals veröffentlichte die Universität Newcastle im Auftrag des WWF eine Studie, die weltweit Schlagzeilen machte und die hier beim WWF noch aufrufbar ist.

Dies Zahl “5g Mikroplastik” wurde dort aus vielen Einzelmessungen zu Plastikpartikeln in Wasser, Salz, Bier oder Meeresfrüchten hochgerechnet. Sie war kein direkt gemessener Wert, sondern eine Modellannahme auf Basis kleiner Messmengen. Das Bild war so stark, dass es sich verselbstständigte: Plastik auf dem Teller, Plastik im Blut, Plastik im Alltag.

Doch diese Zahl ist nach neueren Messungen nicht ganz richtig. Zum Glück! Deshalb möchten wir hier einmal differenzieren.

Zu dem Mythos von der “Kreditkarte pro Woche” kamen in den Jahren ab 2022 tatsächlich konkretere und genauere Studien und Befunde – nicht nur im Labor hochgerechnet, sondern direkt im menschlichen Gewebe gemessen.

Darauf basiert eine aktuellere Einschätzung und wir geben ein paar alltagstaugliche Empfehlungen, wie du deine Belastung mit Mikroplastik senken kannst. Übrigens sind alle Materialien bei YOGANA.world natürlicher Herkunft, GOTS-zertifiziert und CO2-sparend in Deutschland hergestellt – designed und made in Bavaria ♥

Der Mythos: „Jeder schluckt pro Woche eine Kreditkarte an Plastik“

Inzwischen sagen Expert:innen: Die realen Mengen, die wir an Mikroplastik aufnehmen, sind deutlich kleiner: Eher im Bereich einiger Milligramm oder darunter pro Jahr – immerhin im Bereich, bei dem Gesundheitswirkungen sichtbar werden können, aber nicht vergleichbar mit massenhaftem Eintrag.

Die Evidenz: Mikroplastik im Körper – echte Befunde

Eine 2022 im Journal of Hazardous Materials Letters erschienene Analyse beziffert die wöchentliche Aufnahme auf wenige Mikrogramm – also eine Millionen Mal weniger als die ursprünglichen 5 Gramm (Quelle: “Ingested microplastics: Do humans eat one credit card per week?).

Andere Schätzungen sprechen von Mengen, die etwa dem Gewicht eines Salzkorns pro Woche entsprechen.

Neuere Studien und Befunde:

Studie / BefundWas gemessen / gefundenBedeutung / Hinweise
NEJM-Studie, März 2024: Microplastics and Nanoplastics in AtheromasIn 150 von 257 untersuchten Karotis-Plaques wurde Polyethylen nachgewiesen, in 31 Fällen zusätzlich PVC. Mittelwert ~ 21,7 µg bzw. 5,2 µg pro mg Plaque. (PubMed)Patient:innen mit MNP im Plaque hatten ein 4,5-fach höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod über ~34 Monate. (PubMed)
Nachfolgestudien / KommentierungenWeitere Analysen zeigen, dass in Arterien mit Symptomen (z. B. Schlaganfall) sogar 51-fach höhere MNP-Konzentrationen gefunden wurden vs. gesunde Arterien. (www.heart.org)Frühdaten, noch nicht alle peer-reviewed, aber bemerkenswert.
Gehirngewebe (2025)In Autopsieproben wurde Mikroplastik auch im Gehirn nachgewiesen – ansteigende Trends. (ScienceAlert)Noch kaum belastbare Kausalstudien, hohe methodische Hürden.
Überblick / Reviews (2025)Typische Konzentrationsbereiche im Blut und anderen Geweben werden in ng- bis niedrigen µg-Bereichen angegeben.Methodische Herausforderung: Verunreinigung, Nachweisgrenzen, Artefakte.

Der Mythos von 2019 hat das Thema in den Vordergrund gerückt, aber es ist auch mit niedrigeren Zahlen ernst. Mikroplastik and Nanoplastik (MNP) erhöht auch nach diesen neueren Zahlen das Risiko für Herzinfakte und Schlaganfälle, sie wurden im Blut, im Gehirn und sogar in der Muttermilch nachgewiesen (Quelle zur Muttermilch).

Plastik und Mikroplastik im Meer
Plastik und Mikroplastik im Meer

Mikroplastik ist demnach überall angekommen – in den Ozeanen, im Boden, in der Luft, sogar im Schnee der Arktis. Studien zu Mikroplastik in der Luft gibt es u.a. zu Paris, London und zur Luft in Wohnungen, Büros, Bussen, U-Bahnen. Darin wurden Kunststoffe / Polymere gefunden wie PA, PES und PP, alle unter 100 μm groß (eine der Quellen)

Wir atmen es ein, wir nehmen es über Trinkwasser und Nahrungsmittel auf. Und: Wir tragen es auch auf der Haut.

Denn einer der größten – und oft übersehenen – Eintragswege von Mikroplastik ist: Unsere Kleidung.

Wenn Kleidung Mikroplastik und Mikrofasern freisetzt

Synthetische Fasern wie Polyester, Nylon oder Elastan verlieren bei jeder Wäsche winzige Partikel. Dabei sind Mikroplastik-Partikel nach Definition bis 5 mm groß.

Kleidung verliert vorwiegend Mikrofasern – hier geht es um Mikrometer: 1 µm = 0,001 mm → also ein Tausendstel Millimeter. Synthetische Mikrofasern (meist 10–30 µm Durchmesser, 0,1–5 mm Länge) sowie kleinere Mikroplastik-Fragmente (typisch 20–300 µm). Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ungefähr 60–80 µm. Diese Mikrofäden gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere, wo sie sich kaum abbauen.

Selbst beim Tragen lösen sich Fasern: durch Reibung, Sonneneinstrahlung, Bewegung. Sie können anhaften, eingeatmet oder verschluckt werden – besonders dort, wo wir sie gar nicht vermuten: im Feinstaub der Wohnung, auf Textilien, in Kosmetik, im Trocknerflusen.

Deshalb ist auch recyceltes Polyester in Kleidung nur eine Scheinlösung, zumal sich nur bis zu 10% des Plastiks im Wasser zum Recyclen für Textilen eignet. Dazu hatten wir im Artikel “Recyceltes Polyester: Scheinlösung” schon 2022 Stellung bezogen, mit unserer Konsequenz: YOGANA.world setzt durchgängig auf Naturfasern biologischen Ursprungs.

Was das mit Achtsamkeit zu tun hat

Große Yoga Tasche in rot - Natürlicher Wollfilz und Leder
Unsere Yogatasche aus Naturmaterialien: natürlicher Wollfilz, echtes Leder

Wenn man all das liest, könnte man leicht in die nächste Panik über „Plastik überall“ verfallen. Deshalb haben wir bei YOGANA.world  die Entscheidung für Qualität, Natürlichkeit und Langlebigkeit getroffen. Jedes Kleidungsstück und jedes Accessoire wie unsere Yoga Taschen ist eine Wahl – und eine bewusste Berührung mit der Welt.

Natürliche Materialien wie Wolle, Baumwolle, Leinen, Naturfilz und Leder verhalten sich anders als synthetische Stoffe: Sie atmen, sie altern ästhetisch, sie verändern sich – ohne Spuren aus Plastik zu hinterlassen.

Wenn wir sie achtsam wählen, pflegen und lange tragen, entsteht eine Beziehung statt eines Verbrauchs.

Besonders beliebt als langlebiges Kleidungsstück bei uns ist übrigens die weite, weiße Damen-Yogahose.

Weniger Plastik beginnt auf der Haut

Mikroplastik ist kein abstraktes Problem „da draußen“ – es ist auch das Echo unserer Konsumgewohnheiten. Jedes synthetische T-Shirt, das durch ein natürliches ersetzt wird, jede bewusst gewählte Tasche, jedes langlebige Kleidungsstück reduziert diesen Kreislauf ein Stück. Jede bewusste Entscheidung für Naturfasern, Langlebigkeit und achtsamen Konsum ist eine kleine aktive Geste.

Nachhaltige Mode und Kleidung verstehen wir als stille Form von Schönheit und Verantwortung. Man könnte es eine Ästhetik des Bewahrens nennen, auf der Haut und im Gewissen.

Die eigene Mikroplastik-Belastung senken:

Hier drei Tipps für weniger Mikroplastik in und um uns:

  1. Weniger Kunststoff bei Hitze / Nahrung
    • Kein Aufwärmen in Plastikbehältern oder -folien (besonders nicht in der Mikrowelle).
    • Heiße Getränke lieber ohne Plastikdeckel oder aus Keramik/Glas trinken.
  2. Sauber halten & Staub vermeiden, Naturfasern
    • Fußböden regelmäßig feucht wischen (nicht trocken verreiben).
    • Kleidung und Textilien aus Naturfasern (Baumwolle, Leinen) statt synthetischer Stoffe tragen – besonders drinnen & beim Schlafen.
  3. Luft & Wasser bewusst wählen
    • Luftfilter / gute Lüftung nutzen (Feinstaub & abriebende Partikel reduzieren).
    • Wasser idealerweise aus Glasflaschen oder gut geprüften Materialien beziehen; auf Kunststoffverschlüsse achten.

Lest dazu gern auch unsere Artikel über “Nachhaltige Geschenke” und “Faire Mode statt Fast Fashion!”

Quelle Beitragsbild: Sören FunkUnsplash

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